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Warum 123er fahren?

Das ist sicherlich eine gute Frage und eine die sich auch relativ einfach beantworten lässt. Ein Autokauf ist niemals ein objektiver Kauf – und wenn man es sich noch so sehr einreden will. Der eine achtet auf Wirtschaftlichkeit, für den anderen muss das Auto sportlich sein und der Nächste meint, dass er einen Geländewagen braucht.

Aus welchem Grund man auch immer man sich für ein Auto entscheidet: Eigentlich steht der Kaufentschluss (mit Rücksicht auf den Geldbeutel) schon vorher fest. Man liest nur so lange Testberichte, surft in Foren und kauft Autozeitschriften bis man genug Argumente hat, um das Objekt der Begierde vor seinen Freunden und der Familie rechtfertigen zu können.

Am Ende wagt keiner mehr zu widersprechen und akzeptiert, dass der Karl-Heinz seinen X-5 einfach haben muss, weil er ja auf die Jagd geht und Geschäftlich flott unterwegs sein muss. Außerdem ist der Verbrauch für so ein Auto, gemessen am Durchschnitt ja auch eher niedrig.

Aber warum entscheidet man sich für einen 123er? Ich habe mir eingeredet, dass er eigentlich alle Anforderungen erfüllt, die für mich wichtig sind:

 

  • Für ein 30 Jahre altes Auto braucht er sehr wenig Sprit.

  • Er ist geländefähig.

  • Er kommt akzeptabel schnell voran.

  • Er ist formschön.

  • Er ist sicher.

 

Sind wir mal ehrlich: Er ist ein Metallklotz der 70er Jahre, säuft wie ein Loch, ist so schnell wie eine Schildkröte und ist gemessen an heutigen Sicherheitsstandards eine rollende Todesfalle.

 

Warum also dann?

Als ich geboren wurde hat mein Vater einen W123 240TD gefahren. Für die unwissenden unter euch: Es handelt sich um ein 123er T-Modell (landläufig als „Kombi“ bezeichnet) mit einem 2,4 l Dieselmotor.

Hier der 240TD dem Aufpoliern und kurz vor dem Verkauf im Jahre 2001.

Er hat den Wagen 22 Jahre lang gefahren und mit nur einem Motor über 750.000 km zurückgelegt. Ich habe in diesem Wagen meine gesamte Kindheit und Jugend verbracht. Unermüdlich hat mich das T-Modell zur Schule gebracht, auf Flugplätze oder quer durch Deutschland auf Familientreffen gefahren. Als ich 18 Jahre alt wurde hatte mein Vater diesen Wagen immer noch. Mein Bruder fuhr zu dieser Zeit einen gelben W115/8 240D und so einen wollte ich auch haben.

Glücklicherweise erklärte mir mein Bruder, dass ich die Finger von so einem Auto lassen sollte. Es würde nur rosten. Als er „jung“ war, war der /8er einfach ein billiges, altes Auto. Ich sollte es genau so sehen und mir einen 123er kaufen. Ein billiges altes Auto eben.

Bruder Jörg mit seinem /8. Ebenfalls nach Aufpolieren und kurz vor dem Verkauf.

Mit meinem Vater ging ich auf die Jagd und wir fanden in Marburg, genau das, was ich heute als „Pfiffi“ bezeichne: Meinen Agavengrünen 200D.

Ihr seht: Emotionskauf. Wie der Vater, so der Sohn. - Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. - Wenn der Vater mit dem Sohne...

Eine lange und intensive Beziehung war vorprogrammiert. Meine Mutter gab dem Wagen höchstens ein Jahr Überlebenschance, als sie die Abgewrackte Wanne auf den Hof rollen sah, aber das Schicksal meinte es anders. Wir sind noch heute ein Team und werden es hoffentlich noch lange bleiben.

Pfiffi auf dem Flugplatz in Marburg mit Festbeleuchtung.

Warum ihr 123er fahren solltet? Keine Ahnung! Ich rate euch die Finger von so einer Karre zu lassen. Es rostet, es ölt, rußt hin und wieder gewaltig, manchmal regnet es rein und man muss ständig etwas reparieren. Wer was anderes erzählt, erzählt Müll! Ich weiß es, denn ich lasse meine Karre nicht in der Werkstatt warten. Niemals! Ich habe bisher alle Reparaturen selbst gemacht (bis auf Spur einstellen) und so soll es auch bleiben!

Was alles auf einen zukommen kann, wenn man so eine Wanne fahren will, erfahrt ihr auf diesen Seiten.